Mythen im Fußball - defensive und offensive Formation

Im europäischen Fußball wird sehr oft behauptet, dass man Taktik einerseits als Grundlage für die Mannschaftsentwicklung sieht, andererseits seien schon gewisse Grenzen auf diesem Fachgebiet erreicht worden. Man beschwert sich parallel über zu große Konzentration auf diesen Bereich und eine zunehmende Vernachlässigung von individuellen Fähigkeiten der Spieler. Im Prinzip sind drei von den vier Aussagen falsch und die erste wird nicht optimal umgesetzt.

Ich sehe viele Konstanten im Fußball. Spielorganisation und Taktik sollen unbedingt Ausgangspunkte für alle Denkprozesse eines Trainers und Analysten sein. Sie bilden die Basis für jede Spielidee und jedes Spielsystem, beeinflussen auch alle anderen Aspekte auf dem Spielfeld und außerhalb des Rasens. Viele sagen zwar, dass die taktischen Belange relevant sind, gleichzeitig aber wird bewusst oder unbewusst auf die Komplexität und nicht selten auch Funktionalität der Spielorganisation verzichtet. Die drei anderen angesprochenen Probleme werden – meiner Ansicht nach – auch nicht richtig interpretiert. Hier denke ich an angeblich ausgeschöpfte Potenziale im taktischen Bereich und die Relation zwischen dem Mannschaftstaktischen und den individuellen Fähigkeiten. Mit diesen Themenfeldern befasse ich mich seit Jahren und möchte meine Überlegungen künftig auch hier teilen.

Es gibt im heutigen Fußball – auf jedem Niveau – eine große Menge an Mythen, die oft wiederholt werden, ohne diese auf Richtigkeit zu überprüfen. Zu dieser Gruppe gehört zweifellos die Annahme, dass wir mit defensiven und offensiven Formationen arbeiten können. Häufig kommen Sätze wie:

  • “Heute hat die Mannschaft defensiver als sonst gespielt – 4-2-3-1.”

  • “4-1-4-1 ist eine defensive Grundausrichtung.”

  • “Die spielen sehr offensiv mit drei Stürmern.”

  • “4-3-3 ist eine sehr offensive Formation.”

  • “Gegner hat nach dem kassierten Tor offensiver gespielt, weil der Trainer einen zweiten Stürmer eingewechselt hat und die ab sofort im 4-4-2 agiert haben”.

All die Sätze bedienen Stereotypen, die man hört, übernimmt, aber selten eine Diagnose stellt oder sich Gedanken über die einzelnen Komponente macht. An sich finde ich es nicht förderlich, Sachverhalte anderer ohne persönliche Auswertung ins eigene Gedankengut einfließen zu lassen. Diese allgemeinen Wahrheiten sind meist auch weit von der Realität entfernt, vereinfachen den Fußball und beeinträchtigen Arbeit von Trainern/Analysten und am Ende den Prozess der Mannschaftsentwicklung.

Meine Meinung ist klar – es gibt keine defensiven und offensiven Formationen. Sie sind eingangs neutral.

So schreibt Marcin Gabor in seinem Fachartikel, der schon bald in vollem Umfang veröffentlicht wird.